1_Studiotagebuch

Persönliche Blogeinträge zum Werden und Entstehen des Nachfolgers zu "At The Gates Of Dawn" direkt aus den Kohlekeller-Studios in Seeheim-Jugenheim


Quasi-Studiobericht pt. 14

So ein richtiger Studiobericht ist dieser Eintrag nun nicht mehr. Denn der Aufnahmeprozess, das Mixen und Mastern, die Covergestaltung und der ganze Rattenschwanz sind beendet.

So konnten wir relativ zeitnah nach der Fertigstellung der Platte bei diversen Labels anklopfen und mögliche Kooperationsstrategien erarbeiten. Eigentlich dürfte ich hier garnicht zu viel ins Detail gehen, aber Fakt ist, dass der Markt einer kleinen Band wie uns nicht viel bieten kann; oder besser gesagt, wir nicht dem Markt. Zwar hat man als interner Musiker nicht viel Abstand zu seinerm “eigenen” Werk, aber nach all den Jahren, in denen wir diesen Zirkus nun begleiten, konnte ich eines lernen: Wirkliche Qualität ist zweitranging. Es geht in dem Metier nicht um geile Mucke mit Herzblut. Vielmehr spielt es eine Rolle, wer wen kennt, wie viel Geld wo und wie verdient werden kann usw. Persönlichkeit ist zweitrangig. Zusammenarbeit mit Betonung auf “zusammen” ebenso. Naja… kurzer Unsinn…

Jedenfalls sind wir alle unheimlich froh, die Label- und Vertriebssuche mit der für uns wohl möglichst positiven Option abschließen zu können. Mit dem Übernahmevertrag mit Gregor Vogt von ROLL THE BONES RECORDS habe wir ein überaus gutes Gefühl. Von Anfang an ließ sich die Begeisterung seitens des Labels für die Platte regelrecht spüren. Und so verliefen die letzten Wochen erfrischend kooperativ, voller kreativem Austausch, dem Willen Dinge anzupacken. Super! Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl, dass “Catacombs” nur auf den Markt geschmissen wird um abzuschöpfen, was abzuschöpfen geht. Ein sicherer Hafen für unser Werk. Danke dafür!

Jetzt warten wir noch den offiziellen Release am 10.03.2017 ab um dann die Werdung von “From The Vile Catacombs” hier abzuschließen.

Bleibt artig :-)

Studiobericht pt. 13

Do what shall be done! 19.05.2016

Tach zusammen, jammern auf hohem Niveau: Im Vergleich zu den Tagen davor lief es heute irgendwie nicht gaaanz so gut. Ich merke es so langsam in der Kehle… Dennoch: Heute Vormittag haben wir „Speak To The Dead“ verwurstet und momentan sind wir mit „Crusher“ beschäftigt. Aber keine Sorge, alles wird gut.

Sicher wird alles gut. Aber da sieht man auch wieder deutlich, dass solche Aufnahmeprozesse nicht mit links gestemmt werden und alles nur supi und dufte läuft. Nach einer gewissen Zeit, auch wenn es erst der dritte Tag in Folge ist, geht die Anspannung auf den Körper über und fordert ihren Tribut. Ab einem bestimmten Punkt wird es auch deutlich schwieriger, die Konzentration aufrecht zu erhalten und weiterhin abzuliefern.

Doch ich bin mir sicher, dass die Vokills halten werden, was sie versprechen und unser aller Ongel einen Bombenjob gemacht hat.

Danke dir! Ruh dich aus und trink noch nen Salbeiaufguss für uns mit.

Studiobericht pt. 12

Scream for me Seeheim! 18.05.2016

Oh, der Ongel war heut gut drupp! Olaf “Scream Machine” Schreiman, sag ich nur. Wir sind gespannt auf das Ergebnis!

Aber, what the f*ck is autotune? Hat der Kohle sein Auto getuned? Seltsam. Macht mal lieber Metal da unten \m/

…und dann war da noch der „Terror Dick“! Der hat für Gelächter gesorgt als Kohle im Autotune genau an der richtigen Stelle bei „…Terror dictators make fortunes of war…“ zufällig Stopp gedrückt hat… Ja ja, es macht wirklich viel Spaß! Heute Vormittag habe ich u.a. geschrien was das Zeug hielt, denn es stand „From The Vile Catacombs Of Sahure“ auf dem Programm. Ich sach nur: Brutal! ;-) Die heutige Mittagspause tat gut. Geil, aus allen Ecken des Kohlekellers dröhnt irgendwas von unserer Produktion: Kai arbeitet parallel an der weiblichen Stimme (von Birgit). Nachmittag: „Inside Out“ eingetütet! Tschöö!

Studiobericht pt. 11

Schreimann - Sie übernehmen! 17.05.2016

Die Aufnahmen der Produktion bewegen sich nun in die entscheidende letzte Phase. Prof. Dr. gyn von und zu Reimann nistet sich ab dem heutigen Tage im Kohlekeller ein, um mit Kohle an den Vocals zu feilen. Laut seines ersten Statements stehen die Zeichen auf domination. Zumindest deute ich diese so. Vielleicht gefällt ihm die Arbeit aber auch einfach nur. Oder er ist von dem ganzen Salbei total benebelt… ;-) So sind sie die Rockstars von heute.

Um die Sache etwas abzukürzen, hier seine ungekürzte Mail an die Band:


Bis 11:15 Uhr hat Kohle erst mal diverse Einstellungen vorgenommen. Dann gings los mit “Soraya’s Eyes”, weil es da für mich ja relativ wenig zu tun gibt. :-) Der Song war schnell im Kasten und hörte sich sehr gut an. An dieser Stelle kann ich berichten, dass alleine der Sound, der auf meinen Kopfhörern ankommt, total geil ist. Natürlich meine ich damit auch die Musik, aber für mich vor allem die Voreinstellungen im Gesang, die Kohle eingerichtet hat. Ich höre mich so gut in den Gesamtsound integriert, dass mich das total anspornt und man beim Einsingen ein richtig gutes Gefühl hat. Das ist Gold wert!!! Überraschender Weise war recht früh schon Mittagspause. Ich hätte am liebsten immer weitergemacht. ;-) “Ghost Of My Mind” und “Music Of The Devil” (letzteres bis auf die zweite Stimme) sind auch fertig. Da wir ja Kohle als klassischen Produzenten beanspruchen wollen, kommen nun aber Songs, an denen wir wahrscheinlich etwas mehr ausprobieren müssen/wollen. Dennoch freue ich mich schon sehr auf morgen! Stay tuned!

Studiobericht pt. 10

Bass, Bässer, Maddin! 14. - 15.4.2016

Weiter im Text. Nun gehts in die Tiefe der Materie. Ganz weit runter… oder rein… äh… oder wie auch immer. Aber ich will ja nicht abschweifen.

Unser Martin durfte sich nun auch mit den Annehmlichkeiten der Kohlkeller’schen Aufnahmeverfahren auseinandersetzen und gab zur Meldung, dass das Procedere ein Treffer ins Schwarze gewesen sei. Abgesehen von Kais akut drohender Tendovaginitis (…hey ihr Ferkel! Das ist eine Sehnenscheidenentzündung) aufgrund übermäßigem Tonverbrauch im Tieftonsegment und der damit einhergehenden Editierarbeiten, soll das Ergebnis mehr als überzeugen. Zumindest beschrieb es Martin mit einem kurzen, aber prägnanten “FETT”.

Natürlich wäre die Session nicht perfekt gewesen, wenn wir gemeinen Saitenpiddler ihm nicht die ein oder andere musikalsiche “Mehr-Aufgabe” zurückgelassen hätten. So durfte auch Martin mit der Pein des Overdubbings kämpfen und sich durch Parts wühlen, die wohl im Studio doch ganz anders klingen bzw. eingespielt wurden, als im Vorfeld abgesprochen. Jaja, es muss auch ein wenig Arbeit dabei sein. Schließlich machen wir das alles ja nicht zum Spaß :-)

Rundum, der bässte Martin aller Zeiten ist zufrieden und räumt das Feld für die vorerst letzten Recordings, die Vocals des Herrn Schreimann.

Studiobericht pt. 9

GUITARS! It’s all about the guitars! 31.03.2016

So ist es. Im Grunde geht es im Leben (eines Metalheads) doch immer nur um das Eine: Gitarren. Laute Gitarren. Der Rest ist nur Schmuckwerk! So. Jetzt ist es raus, ich habs gesagt. Punkt. Da gibt es nichts zu debattieren. Die Penisverlängerung des Metallers ist die Klampfe, was man auch daran beobachten kann, dass das mit Luftgitarrenriffs begleitete Headbanging deutlich cooler daherkommt, als ein kinnhohes Tieftongezupfe oder das Duracellgezappel auf Koks. Oder? Na, also. Ich sags doch :-)

Ok, ok, ich will mir ja nicht den Zorn meiner Bandkollegen aufbürden und ehrlich gesagt würde das Album an dieser Stelle für die gemeinen Ohren des Metal-Mobs wohl etwas ungeschmeidig klingen. Daher sollte an dieser Stelle doch erwähnt werden, dass „From The Vile Catacombs“ nun zu 50% im Kasten ist. John meldete sich mit einer knappen Email zu Wort und verkündete voller Stolz sein Wohlwollen gegenüber der bis dato geleisteten Mühen, was aus Schmitz’schem Munde, wie wir alle wissen, auch eine gewisse Ehrung bedeuten kann. Sein Wortlaut:

So, nun bin ich heute um 15 Uhr mit den Aufnahmen fertig geworden, auch wenn ich erst um 18.30 Uhr Zu8hause (sic!) angekommen bin. Die akustischen Parts waren noch mal sehr herausfordernd und anstrengend, aber es hat sich gelohnt. Ich bin mit dem bisherigen Ergebnis sehr zufrieden, vor allem Marek hat einen tollen Job gemacht. Für beide Gitarristen kann ich sagen: es sägt und shredet gar herrlich! Martin und Olaf, ihr habt ordentlich was nachzulegen ;-)

Wobei wir wieder beim Thema wären. Es fehlen noch Bass und Gesang (… ja, beides sehr wichtige Parts, teilweise). Allerdings werden sich die Aufnahmen aus terminlichen Gründen von nun an etwas in die Länge ziehen. Zunächst wird Martin Ende April das Fundament gießen und seine Parts einbassen, bevor Olaf die Aufnahmen im Mai dann, so hoffen wir, abschließen wird.

Sollte es zwischenzeitlich berichtenswertes zu erzählen geben, so werde ich die Kunde verbreiten. Ansonsten, … nicht :-)

(So, und jetzt werden wir sehen, wer in dem Bums hier Humor besitzt… hähä!)

Studiobericht pt. 8

Ein Mann, eine Gitarre, ein Riff und viel Schmerz! 30.03.2016

Ok, ok! So schlimm ist es nun nicht. Aber dennoch, künstlerische Tätigkeiten sind ja per se schon schmerzliche Angelegenheiten. Der kreative Entstehungsprozess bedarf immenser Anstrengungen, Mut, Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz ohne Ende. Zumindest wenn man bei Ra´s Dawn spielt :-) Man fuddelt sich jahrelang durch die Songansätze und beweist laaangen Atem, den Kram, welchen unser Masterjohn sich stets einfallen lässt, zu üben und unter die Finger zu bekommen, um dann in diesen wenigen Studiotagen gemächlich auf den harten Boden der Tatsachen niederzuschmettern.

Ja, es tut schon ein bisschen weh, festzustellen, dass genau diese eine Passage in dem Riff, das man schon tausend Mal vermeintlich richtig gespielt hat, irgendwie doch anders geplant war. Nur ein wenig anders. Umlernen ist nämlich so eine Sache bei Musikern. Schließlich ist man sich sicher: „Ich hab das schon immer so gespielt!“ Mag sein, nur macht es das trotzdem nicht richtiger und sorgt für Kopfschmerzen bei dem, der das Riff nun als Zweiter einzocken muss. Zwar möchte ich mich nicht selbst loben, aber ich denke, bodenständige Arbeit abgeliefert zu haben. Allerdings gibt es da eben diese Kleinigkeiten, bei denen man meint, sie müssten so richtig sein. Nun, aus dem Telefonat mit John konnte ich heraushören, dass ich dann wohl doch die ein oder andere Kleinigkeit bei den Aufnahmen eingebaut haben könnte, die eben nun für Schädelreißen bei ihm sorgte.

Aber hey, soweit scheint heute dann doch alles (erwartungsgemäß) glimpflich abgelaufen zu sein. John ist mit seinem Fortkommen auch trotz meiner Fallstricke zufrieden und lobte auch die ein oder andere Soloperformance seinerseits (…es gibt nichts, über das sich ein Gitarrist mehr freut, als sich selbst mit einem unerwarteten, kleinen Lick zu überraschen. Ich weiß wo von ich rede :-) ). Für morgen stehen lediglich nur noch ein paar Winzigkeiten an und dann sollten die Klampfen gänzlich im Kasten sein. Ein erheblicher Schritt Richtung Zielgeraden. Ich melde mich!

Somit bleibt für heute nichts weiter zu sagen als: „Gute Nacht John-Boy.“

Studiobericht pt. 7

Too many notes! 28.03.2006

Es ist Ostern. Was macht man da? Richtig! SOLOGUITARZ!

So konnte ich heute am frühen Morgen die leeren Autobahnen nutzen und zeitig im Kohlekeller aufschlagen, um die Zeit sinnvoll zu füllen. Nämlich mit Tönen… vielen Tönen! Zumindest hat man nach 8 Stunden Gedudel das Gefühl, das Hirn würde nur noch aus Licks, Loops und Legatoscales bestehen. Aber ich denke, wir haben gute Arbeit geleistet. Sämtliche Soli und Leadparts sind im Kasten und somit bin ich im Produktionsplan einen ganzen Tag früher fertig geworden als angesetzt.

Rückblickend auf die letzte Produktion fühlt es sich so an, als hätten wir diesmal bei den Soli kaum experimentiert oder wenig Neues ausprobiert. Allerdings kann hier der Schein auch täuschen. Wenn man vollkonzentriert acht Stunden am Stück zockt und nach Liste arbeitet, verschwimmt die Erinnerung an das Geleistete ein wenig. Daher freue ich mich jetzt schon auf das Ergebnis und lasse mich mal überraschen, welche Klings und Klongs da von mir zurechtgewurschtelt wurden. Vom kreativen Aspekt her wäre es schöner gewesen, das Pensum auf zwei Tage zu splitten, um richtig ungezwungen schaffen zu können. Aber gerade im Studiobereich ist Zeit natürlich auch Geld und die Gefahr groß, sich zu übernehmen. Entweder produziert man die ursprüngliche Idee kaputt, entfernt sich zu weit vom Ursprung oder saugt die Natürlichkeit aus dem Spiel. Letzteres lässt sich in meinem Falle jedenfalls nicht behaupten :-) Die Soli klingen menschlich… Marek-menschlich. Naja, wir werden sehen.

Ab morgen übernimmt John „Ed-von-Shred“ Schmitz wieder das Ruder und steuert den Metal-Kahn ein Stückchen näher gen Hafen.

Mit dieser famosen Metapher verabschiede ich mich bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt: „Achtung! Hier wird Metal gemacht!“

Studiobericht pt. 6

Full-blown Metal Attack! 24.03.2016

Tag 2 - abgehakt. Was mir heute gelang, hätte ich mit meinen Fähigkeiten nicht für umsetzbar gehalten. Zwar starteten wir nicht mit vorgezogenem Zeitplan, wie es gestern kurzzeitig im Raum stand, dafür haben wir acht Stunden mit Höchstkonzentration den Metal zelebriert und die restlichen Songs eingetütet. Geil! Jetzt bin ich total durch und mache mich gleich auf den Weg nach Hause.

Momentan kann ich nicht sagen, in in wie fern sich die stramme Arbeit gelohnt hat, da man bei fünf durchgeackerten Songs irgendwann völlig den Überblick für das Gesamtbild verliert. Es geht immer nur um kleine Ausschnitte, einzelne Betonungen, die Fokusierung auf das Jetzt. Am Ende des Tages verschwimmt die Erinnerung dann total. Daher ist es ganz gut, dass ich mir jetzt eine Pause gönnen kann.

Am Ostermontag werde ich dann erneut anreisen und mich den kompletten Tag mit Sologitarren, Leads und Akustikparts beschäftigen dürfen. Da freue ich mich richtig drauf, weil man geraden bei den Soli etwas kreativer arbeiten kann und nicht so strikt an die Vorgaben gebunden ist.

Studiobericht pt. 5

Metal ist Arbeit! 23.03.2016

Puh. Mein erster Aufnahmetag ist gelaufen. Ich bin geschlaucht. Im Moment ist meine Wahrnehmung jedoch etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite klingt die Chose jetzt schon richtig, richtig geil! Der Gitarrensound ist eine Wucht! Aggressiv ohne Ende, transparent, fett und druckvoll, schön differenziert und sägend. Der EVH ist einfach ein Killeramp, weshalb Kai und ich uns nicht in weitere Experimente verstrickt, sondern ein nur leicht geändertes Setup mit gleichem Verstärker gewählt haben. Und es funktioniert!

Auf der anderen Seite muss ich mich wirklich erst wieder an die Arbeitsweise im Studio gewöhnen. Meiner Ansicht nach hätte ich heute mehr Songs abarbeiten müssen. Der Anspruch war, die Hälfte der Nummern einzutüten, was leider nicht umzusetzen war. Zwar kam heute erschwerden hinzu, dass wir knapp zwei Stunden weniger Arbeitszeit zur Verfügung hatten, als angepeilt, aber der Ehrgeiz saß und sitzt mir nach wie vor im Nacken. Zudem, und das sollte man nicht vernachlässigen, hat man den Anspruch, das “Geilheitsbarometer” mit seinen Takes doch hin und wieder zu sprengen und sich selbst mit der Performance zu überraschen. Am Abend will man das Gefühl haben, 101% gegeben zu haben. Nur dann sei von Erfolg zu sprechen. Schließlich liest man sowas immer in diversen Gazetten und Interviews, in denen sich Musiker selbst über den grünen Klee loben, wieviel Mojo sie denn wieder rituell über das Recordingequipment ergossen haben und wie weltbewegend ihre Performance gewesen war und, und, und.

Aber wie so oft liegt zwischen Sein und Schein doch eine gewisse Diskrepanz und man wird sehr schnell auf den Boden zurückgeholt, sobald die record-Taste leuchtet. Klar, man kann seine Sache im Bestfall gut zocken, aber Studio ist halt nicht mit der Livesituation oden dem Wohnzimmer zu vergleichen. Die eigenen vier Wände und auch das Livepublikum verzeihen anders. Deutlich anders als Cubase und Co.

Schnell musste ich mich also an die Tatsache erinnern, dass ab sofort auf ganz andere Feinheiten Wert gelegt werden muss. Nämlich die Erwartungen an das Ego deutlich runterschrauben und stets das Motto “Erst solide, später geil” im Fokus behalten. Im Zuge dessen kam auch das Memo wieder zutage, welches ich mir vor acht Jahren nach den Aufnahmen mit Kohle an mich selbst verfasst und irgendwo im Erinnerungskarton abgelegt hatte: “Nicht unter Zeitdruck setzen, nicht verunsichern lassen, ob man genug (was das auch heißen mag) geübt hat, nicht verzagen, ob der Geilheitsfaktor hoch genug sein wird. So eine Produktion ist zwar Arbeit, aber gut zu stemmen und im Endeffekt auch Spaß bringen sollte.”

Ergo, alles im grünen Bereich. Ich hake die heutige Session als “Reinkommen in den Workflow” ab und morgen wird der Käse schon deutlich runder laufen. Laut Kai ist zumindest geplant, dass wir die verlorene Zeit morgen aufstocken und länger arbeiten werden, was ich sehr begrüßen würde. Wir werden sehen. Morgen gehts weiter, morgen wirds gut. METAL!

Studiobericht pt. 4

Unverhofft kommt leider oft. 22.03.2016

Das Schicksal ist ein unbarmherziger Geselle. Wie oft treibt es Trauer und Freude wie ein eineiiges Zwillingspärchen vor sich her. Anscheinend planlos und unwillkürlich reizt es seine Macht aus, um in Momenten zuzuschlagen, in denen man es nicht zu erwarten vermag. Heute morgen bekam ich einen Anruf, den den gesamten Ablaufplan der Aufnahmen zerrüttete. John musste kurzfristig und rasch das Studio verlassen und den Produktionsprozess unterbrechen, um sich einer privaten Angelegenheit anzunehmen, für welche man nur schwer die passenden Worte finden kann. In diesem Momen möchte ich dazu nicht viel schreiben, bis die Dinge klarer liegen.

Jedenfalls bat er mich, meine Anreise vorzuverlegen und mit der Aufnahme meiner Parts zu beginnen. Mit gleichzeitig schwerem aber auch erregtem Herzen wurden also rasch sämtliche anstehenden Erledigungen gemacht, Termine verschoben, die nötigsten Dinge gepackt, die Zeit im Nacken eilige Checklisten geschmiert. Gesagt, getan, Klampfen geschnappt und ab Richtung Darmstadt.

Nun ist es 19.30 Uhr, ich sitze auf der Couch und wundere mich, dass es hier keinen Rechner mehr gibt, mit dem ich die Einträge hier und auf Facebook hätte verfassen können. “Heutzutage kommt keiner mehr ohne Laptop oder Tablet. Handy, hast du kein Handy…?”, sagte Kohle nur etwas erstaunt auf meine Nachfrage nach dem Studio-PC. Aber ist ja auch kein Problem. Papier und Stift lassen sich organisieren. Fühlt sich zwar etwas ungewohnt, wenn man das Geschreibsel nicht direkt und unmittelbar der Onlinewelt aufdrängen kann. Aber Kinder, so war das früher auch :-)

Also Memo an mich: Nächstes Mal Laptop kaufen, Laptop mitbringen.

Studiobericht pt.3

Gitarz pleaz! 21.03.2016

Heute begannen die Aufnahmen der Klampfen, wozu sich John frühzeitig im Kohlekeller einfand. Natürlich hatten wir bereits im Vorfeld eine grobe Vorstellung, wie der Gitarrensound werden sollte. Doch nach ca. zweistündigem Setup und anschließender Soundsuche mit Kai war klar, dass John beim EVH5150 III bleiben würde. Für uns repräsentiert dieser Amp einfach den perfekten Metalsound und warum etwas ändern, das funktioniert. Keine Experimente mehr. Nach Johns Aussage klingt das bisherige Ergebnis bereits sehr überzeugend. Ich bin wirklich gespannt, denn wie ich den Kollegen kenne, wird es sehr viel ching und chong, quietsch und säg und krkrkr geben :-) (…Gitarristen eben!).

Alles in allem war es ein erfolgreicher Aufnahmetag. John legte mit 4 eingespielten Songs ordentlich vor. Respekt! So darf es weitergehen.

Studiobericht pt.2

Immer feste drauf! 18.03.2016

Es läuft! Mit einigen kurzen Emails meldete sich Marco zwischenzeitig aus dem “Room of boom” und machte dabei aber einen recht zuverlässigen Eindruck. Angespannt sieht zumindest anders aus :-)

Ich denke und hoffe, dass sich John in den kommenden Tage öfter zu Wort wird melden können, damit ich hier etwas mehr zu Papier bringen kann (…falls er nach dem Stress und der Aufregung bezüglich der Aufnahmen überhaupt noch in der Lage dazu ist, haha!)

Studiobericht pt.1

Vorbereitung ist alles? 17.03.2016

Die Zeit verfliegt. Es ist kaum zu glauben, dass die Entstehung von “At The Gates Of Dawn” bereits knapp acht lange Jahre her sein soll.

In der Zeit ist vieles passiert. Wir haben an Songs geschraubt, sind am Ball geblieben, obwohl oft die ein oder andere Hürde auftauchte und Durchhaltevermögen von jedem von uns verlangte.

Aber auch wir haben uns verändert. Insbesondere wenn man so viele Jahre gemeinsam an einem Projekt arbeitet, verändert es die Sicht auf die Dinge. Aber hey, wir sind noch da! Vielleicht nicht mehr so aufdringlich wie früher, aber wenn auch unterschwelliger und eventuell etwas kurzhaariger, doch definitiv härter, lauter und um einiges weiser als 2008.

Tja, und jetzt sitze ich hier und weiß, dass die vergangenen Jahre nicht umsonst waren. In einem Gefühlschaos aus Aufregung, Neugier, Respekt und Vorfreude aber auch Selbstzweifel, soll es nun in wenigen Tagen darum gehen, das über die Jahre Aufgebaute in eine Form zu gießen und für immer zu konservieren. Es erweist sich oftmals als schwierig, einem Außenstehenden klar zu machen, warum man für ein solches Hobby, das kaum/keinen Profit abwirft, derart viel Geld investiert. Doch wenn man wie wir so viele Jahre den Songs beim Wachsen zusieht und zuhört, will dieses Eigenleben auch bestmöglich für die Zukunft aufgebahrt werden. Da stellt sich einfach nicht die Frage, ob eine einfache Heimproduktion ausreichen könnte. Nein. Das würde den Stücken nicht gerecht. Profis wie Kohle und Kai oder auch Tommy Newton machen eine unheimlich fantastische Arbeit. Sie malen das Bild zu Ende, wie es ein Hobbymusiker aus eigenen Stücken nicht fertigbringen könnte. Zudem sind die Erfahrungen, die man im Anschluss an die Arbeit mit diesen Menschen mitnimmt, einfach durch nichts aufzuwiegen.

Ach, ich freue mich auf die Aufnahmen.

Aber bevor es losgeht, werden noch die letzten Vorbereitungen getroffen, Instrumente eingestellt, besaitet, viel geübt (…was mich angeht), anschließend ins Kissen geweint und weiter geübt.

Nix mit saufen und so :-)